Wilde Wiese

Bunte Blumen oder überhaupt Grün in der Stadt sind zunächst eine Sache des Wohlfühlens und der Lebensqualität. Niemand wohnt gerne nur inmitten von Asphalt, Beton, Plastik und Glas. Andererseits geht es dabei natürlich auch um die Ökologie - um gefährdete Wildbienen und andere Insekten, um wertvolle Nischen für möglicherweise vom Aussterben bedrohte seltene Arten. Und dann, das merkt man aber erst nach einer Weile, ist es auch eine Frage von Nachbarschaft und Verantwortung. Ob einem alles egal ist, sobald man nur aus der Haustür auf die Straße tritt, oder ob man sich eben doch ein bisschen kümmert und zuständig fühlt für das, was im eigenen Kiez passiert.

Der mog 61 e.V. hat vor längerer Zeit schon einmal Baumscheiben in der Mittenwalder und der Fürbringerstraße gepflegt und an der Gneisenaustraße wunderschöne Stockrosen gepflanzt. Mit der Zeit ist das Engagement allerdings eingeschlafen - auch wegen mangelnder Unterstützung des Bezirks. Jetzt gibt es einen neuen Versuch: Angeregt durch eine Aktion aus Hamburg mit dem Titel "Jede Wiese zählt" haben wir die botanischen Instinkte in uns neu entdeckt und widmen uns seit dem Frühling ein paar Flecken Grün.

Dabei kann man sehr viel lernen: Erst wollten die Wildblumensamen nicht so recht keimen, dann waren die einjährigen Lupinen viel zu dicht gesät, fielen meistenteils kleinen, hässlichen schwarzen Blattläusen zum Opfer - und ja, der Boden ist ziemlich schlecht und das Wasser knapp. Ohnehin ist es eine Art sozio-botanisches Experiment: Lassen sich direkt an der vierspurigen Straße, an einem vielfrequentierten U-Bahnhof, überhaupt Pflanzen großziehen? Überleben sie die Touristenscharen beim jährlichen Karneval der Kulturen, den Müll, der ständig im Beet landet - die Junkie-Utensilien und natürlich die Hundepisse? Überraschenderweise stellen sich dann doch erste Erfolgserlebnisse ein. Und als Belohnung kann man mitten im Verkehrslärm eifrigen Bienen, einem vagabundieren Schmetterling oder kopulierenden Marienkäfern zusehen.

Wer Lust hat, ab und zu nach Harke und Gießkanne zu greifen, oder Freude dabei empfindet, mit dem Bestimmungsbuch in der Hand Malva rosea von Malva moschata zu unterscheiden, ist übrigens herzlich willkommen!

(Fortsetzung folgt)

Der erste Versuch

auf zwei Waschbetonkübeln war leider vergeblich. Wo ständig Bierflaschen, Blechdosen, Obst- oder Kaffeereste und verschmutzte Taschentücher abgelegt wurden, wuchs buchstäblich nichts:

 

Der zweite Versuch

auf einer größeren Fläche Straßenbegleitgrün ließ sich schon viel besser an:

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