Was fliegt denn da?

Diesen Sommer hat mog61 viel Zeit an den vom Verein betreuten Plantagen am U-Bahnhof Gneisenaustraße verbracht. Da musste lästiges Unkraut entfernt, nachgesät, nachgepflanzt, der Boden aufgelockert oder einfach nur blöder Müll weggebracht werden. Und natürlich tonnenweise Wasser zum Gießen herangeschafft. Dabei hat der Gärtner irgendwann gemerkt: Er ist nicht allein! Es waren Gäste da, fliegende Gäste vorzugsweise. Damit sind wir bei den Wildbienen, denen die bunten Blumen schließlich beim Überleben in der Großstadt helfen sollen. Aber zunächst wollen wir in diesem Blog unsere Lupinen (Lupinus polyphyllus) vorstellen, welche die Insekten besonders schätzen.

Die Lupinen sind die einzigen Pflanzen, deren Samen ganz schnöde aus dem Baumarkt stammen - alle anderen wurden in der freien Natur eingesammelt. Sie standen am Anfang der Idee, das heruntergekommene Straßenbegleitgrün um uns herum, das meistens gar kein Grün mehr war, ein wenig zu verschönern. Lupinen - das hat mit Kindheitserinnerungen zu tun, mit einem wunderschönen bunten Bauerngarten voller Rittersporn, Pfingstrosen, Dahlien, Phlox und Akelei. Blaue Lupinen gab es damals und ab und zu eine rosafarbene.

Im vergangenen Jahr litten die Lupinen unter Mäusen und Mehltau. Wir waren uns gar nicht sicher, ob sie es überhaupt durch den Winter schaffen würden. Aber im Frühling kamen die feinen, mehrstrahligen Blätter und Ende Mai schossen die leuchtenden Blütenstände in die Höhe, fünf, sechs, sieben pro Pflanze. Es war eine explodierende Schönheit, völlig unerwartet und überraschend an dieser Stelle. Leute blieben stehen und lächelten. Aber manche hielten diese makellose Pracht auch gar nicht aus und versuchten sie zu zerstören.

Ja, und dann sprach sich das anscheinend herum. Die ersten Hummeln schauten vorbei. Nun ist es von jemandem, der zuvor gerade mal Bienen von Wespen und vielleicht noch Hornissen unterscheiden konnte, ein bisschen viel verlangt, sich plötzlich mit Hummeln auszukennen. Zumal da Arbeiterinnen, Drohnen und Jungköniginnen verschieden aussehen.

Aber versuchen wir es einmal. Mit am häufigsten ist die Dunkle Erdhummel (rechts). Sie ist ziemlich groß und man erkennt sie an ihrem weißen Hinterteil. Außerdem hat sie zwei auffällige dunkelgelbe Querbinden, auf dem ersten Brust- und dem zweiten Hinterleibssegment. Die Ackerhummel (links) hingegen schaut fast ein bisschen wie eine Honigbiene aus, ist aber deutlich größer. Sie hat am ganzen Körper einen rotbraunen Pelz und am Hinterleib schwarze Querstreifen.

Mindestens genauso fasziniert wie von den Lupinen waren die Hummeln übrigens vom Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare). Dort entdeckten wir sogar eine Steinhummel (rechts). Sie ist samtschwarz und hat eine rotbraune Spitze am Hinterleib. Von den drei beobachteten Hummelarten war sie mit Abstand am seltensten.

Natürlich hatten die mog61-Blumenbeete noch weitere Gäste. Kohlweißlinge schaukelten skeptisch vorbei, ließen sich dann aber doch kurz auf einer Kornblume (Cyanus segetum) nieder. Jede Menge Blattläuse, Ameisen, bei der Gartenpflege der eine und andere Regenwurm. Ein Trauerschweber stattete ausgerechnet den Sneakern des Gärtners einen Besuch ab, was wohl bedeutet, dass es irgendwo in der Nähe auch Mauerbienen geben muss.

Sie sind alle willkommen. Am meisten mögen wir allerdings den Siebenpunkt-Marienkäfer. Emsig läuft er über die Blumenblätter und sucht ganz systematisch nach Fressbarem. Selbst beim Sex - und er hat sehr viel Sex - hört er nicht mit dem Fressen auf. Wir lieben ihn einfach. Boah, denkt man dann, so viel Leben auf diesen wenigen Quadratmetern in der Großstadt, direkt neben der vierspurigen Durchgangsstraße! Aber eigentlich will mog61 nicht nur diese paar Beete, sondern eine ganze Wildblumenwiese.