“Hallo, das bin ich!”

Fünf faszinierende Persönlichkeiten mit Einschränkungen kommen zu Wort

Am 5. Mai 2021 jährt sich der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Der Verein mog61 Miteinander ohne Grenzen e.V. aus Berlin-Kreuzberg begeht diesen Tag jedes Jahr mit einer Reihe von Veranstaltungen, bei denen wir Menschen mit Einschränkungen ausdrücklich einbeziehen.

Das Motto der "Aktion Mensch" lautet in diesem Jahr: „Ob in der Politik oder in privaten Belangen – Menschen mit Behinderung wissen selbst am besten, was ihnen wichtig ist und was sie für ein selbstbestimmtes Leben brauchen!“ Es ist wichtig, dass Menschen mit Behinderungen selbst eine Stimme finden und dass nicht nur ständig von anderen über sie geredet wird. Deshalb stellen wir im Vorfeld des 5. Mai fünf ganz besondere Menschen vor: Silja, Andrea, Rainer, André-Jeanne und Marcell. Alle fünf kämpfen mit unterschiedlichen Einschränkungen. Wir haben sie in Videoclips porträtiert, in denen sie ausführlich zu Wort kommen.

Es sind faszinierende Persönlichkeiten, die sehr intensiv über ihre Erfahrungen während der Corona-Pandemie berichten, über Erlebnisse als Sehbehinderte beim Einkaufen, als Rollstuhlfahrer mit holprigem Kopfsteinpflaster oder von Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Sie erzählen uns bereitwillig aus ihrem Leben und sagen: „Hallo, das bin ich! Ich bin da! Auch ein Leben mit Einschränkungen ist lebenswert!“ Wir danken ihnen dafür!

(Wem die einzelnen Beiträge zu lang sind: Hier gibt es einen schönen Trailer mit einer Zusammenfassung, der vielleicht aber auch neugierig macht!)

Silja

Die blinde Künstlerin Silja zeigt uns, wie sie malt. "Ich sehe gar nichts mehr", sagt sie von sich. "Ich sehe kein Hell, kein Dunkel, ich sehe keine Farben und kann meine Bilder eigentlich gar nicht sehen. Aber ich hab die Farben nicht verloren in der Zeit, in der ich blind geworden bin. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, sie wollen aus meinem Kopf herausplatzen. Die wollten irgendwie frei sein!"

Andrea

Andrea erklärt uns, warum sie Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat. "Ich habe angefangen, Bücher zu lesen", berichtet sie stolz: "Ich mag gerne Gedichte!" Wegen Corona vermisst sie Freundschaft, gegenseitige Umarmungen, Tanzen und die Theatergruppe. Andrea hat außerdem großen Respekt vor steilen Treppen und vor Brücken. "Die Angst kann mir keiner wegnehmen", sagt sie, "man kann aber Hilfe suchen!"

Rainer

Rainer berichtet uns von seinen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer in Berlin-Kreuzberg. Ein ganz zentrales Problem ist aus seiner Sicht die Erreichbarkeit einer barrierefreien Arztpraxis. "Wie komme ich in die Arztpraxis? Und wenn ich da angekommen bin, wenn es überhaupt geklappt hat: Wie komme ich da an den Tresen? Wie hoch ist der? Kann ich da überhaupt drübergucken? Wie komme ich auf die Toilette? Und da sind so viele Probleme", sagt er.

Andréa-Jeanne

Die deutsch-französische Lehrerin Andréa-Jeanne aus dem Elsass führt uns vor, wie Gebärdensprache funktioniert. Sie ist selbst stark sehbehindert und Mutter eines gehörlos geborenen Sohnes. Andréa-Jeanne versteht sich als Brücke für wenig Sehende und wenig Hörende: "Mein Ex-Mann und ich, wir haben gedacht: Taub geborener Sohn ist nicht Schicksalsschlag, sondern Chance, eine neue Sprache zu lernen!"

Marcell

Wir treffen den Musiker Marcell. Er spielt Schlagzeug in der Band "Die Befreiten" und hatte schon große Auftritte vor viel Publikum im Pfefferberg und in der Alten Feuerwache in Friedrichshain - leidet jetzt aber natürlich auch unter den Corona-Einschränkungen. Marcell sagt: "Also was ich auf jeden Fall gerne machen würde, ich möchte den Leuten zeigen, was ich gelernt habe!" Und das zeigt er uns.