Free Jazz im Zeichen der Inklusion

Am 27. November 2020 streamt mog61 e.V. ein mega-cooles Konzert aus dem Nachbarschaftshaus

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai veranstaltet der gemeinnützige Verein mog61 Miteinander ohne Grenzen e.V., kurz mog61 e.V., traditionell einen Tag der Inklusion in Form eines Jazzkonzertes mit hochkarätigen Vertreterinnen der Jazz- und Free Jazz-Szene. Dieses Jahr hätte die Veranstaltung eigentlich am 2. Mai stattfinden sollen und die Besucher*innen hätte ein Konzert der absoluten Superlative erwartet - mit Aki Takase, Alexander von Schlippenbach, Rudi Mahall, Anna Kaluza, Christof Thewes und vielen anderen großen Namen.

Niemals zuvor hätten so viele Musiker*innen auf einmal den Tag der Inklusion von mog61 e.V. musikalisch unterstützt. Leider musste das Konzert im Frühjahr wegen der Covid-19-Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Besonders bitter für die Musiker*innen, aber auch für uns, weil die Vorbereitungen beinahe abgeschlossen waren, unter anderem war das Plakat für das Konzert schon fertig.

Aber mog61 e.V. gibt natürlich nicht auf. Wir freuen uns, mit dem 27. November 2020 jetzt einen neuen Termin präsentieren zu können. Zwar verhindert das Corona-Virus erneut einen vollen Konzertsaal, wie wir ihn in den vergangenen Jahren gewohnt waren. Weil wir uns aber nicht zum zweiten Mal geschlagen geben wollen, wird die Veranstaltung jetzt unter Berücksichtigung der Corona-Schutzmaßnahmen komplett auf Facebook und Youtube live gestreamt.

Da so ein Live-Stream für mog61 eine Premiere ist, freut sich der Verein über die freundliche Unterstützung von NHU Urbanstraße, AktionMenschFreakstreet Production Berlin, KuDiBa und PAM/events, die mit Technik, Gerätschaften, Personal und professionellem Know-How dabei sein werden.


Free Jazz zum Tag der Inklusion
27. November 2020, von 18:30 bis 22:00 Uhr
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ive-Stream auf Facebook und YouTube

Hier sind die Links: Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Obwohl weniger Musiker*innen als ursprünglich vorgesehen auftreten, verspricht das Konzert ein ganz besonderes Jazzvergnügen: So viele hochkarätige Stars stehen selten gemeinsam auf der Bühne – noch dazu für einen guten Zweck!

Insgesamt 11 Größen der Free Jazz-Szene werden den Tag der Inklusion in verschiedenen Formationen zu einem unvergesslichen musikalisch-emotionalen Erlebnis machen.  Anna Kaluza und Jan Roder sowie Rudi Mahall und Olaf Rupp treten in verschiedenen Formationen auf. Ein weterer Höhepunkt wird das „Christof Thewes Surrealbook Ensemble Deluxe“ sein mit insgesamt acht Mitgliedern. Dieses Oktett in Form einer fast Big Band mäßigen Konstellation setzt sich aus bekannten Namen der alten wie neuen Free-Jazz-Szene zusammen.

Ziel der Veranstaltung ist es, mit bekannten Namen als Zugpferd Leute zu erreichen und anzusprechen, die sich sonst nicht oder kaum mit dem Thema Inklusion befassen. Die Veranstaltung findet im Rahmen von Kultur Digital Barrierefrei (KuDiBa) statt – das ist der erste inklusive 48-Stunden Online-Hackathon.


Das Programm:

18:30 Einlass mit Moderation

19:00 Christof Thewes Surrealbook Ensemble Deluxe

Christof Thewes – Posaune, Komposition
Rudi Mahall – Bassklarinette/Klarinette
Paul Engelmann – Alt-Saxophon
Martin "Schmiddi" Schmidt – Mandoline
Johannes "Finki" Fink – Cello
Florian Müller – E-Gitarre
Ben Lehmann – Kontrabass
Martial Frenzel – Drums

19:50 Moderation

20:00 Kaluza – Roder

Anna Kaluza – Alt-Saxophon
Jan Roder – Kontrabass

20:50 Moderation

21:00 JR3 

Rudi Mahall – Bassklarinette/Klarinette
Olaf Rupp – E-Gitarre
Jan Roder – Kontrabass

22:00 Ende und Schlusswort

 


Die Musiker:

Christof Thewes

Der deutsche Komponist, Posaunist, Arrangeur und Instrumentallehrer Christof Thewes leitet zahlreiche Ensembles und Musikprojekte, die sich zwischen modernem Jazz, freier Improvisation und Neuer Musik bis hin zu experimentellem Rock, Funk und Popmusik bewegen. Thewes lebt in Illingen, arbeitet mit zahlreichen renommierten Musikern zusammen und war von 2000 bis 2011 Dozent im Aufbaustudiengang Jazz an der Hochschule für Musik Saarbrücken. 2007 wurde ihm der Jazzpreis der Stadt Worms verliehen. Thewes ist einer der ganz großen Namen in der deutschen Jazz-Szene. Er spielte auf Festivals in Zürich, Straßbourg, Wiesbaden, Zagreb, Mainz, St. Wendel, Nancy, Warschau, Darmstadt, Trier, Erlangen, Berlin und anderswo. Als Leader und Sideman veröffentlichte er bisher über 30 CDs, seine musikalischen Partner sind so große Namen wie Alexander von Schlippenbach, Hartmut Oßwald, Rudi Mahall, Henrik Walsdorff, Axel Dörner und Albert Mangelsdorff.

 

 

Rudi Mahall

Rudi Mahall ist Bassklarinettist und gilt als einer der international am meisten gefragten Jazzmusiker aus Deutschland. Mahall stammt aus Nürnberg, beim Studium der klassischen Klarinette setzte er sich mit zeitgenössischer Musik und Improvisation auseinander. Er trat beim Free Music Festival Jazz a Mulhouse auf, in Moers, Berlin, Leverkusen, New York City, Amsterdam, München, Würzburg und hat Tourneen durch Portugal, Süd- und Ostafrika absolviert. Mahall spielte oder spielt zusammen mit der Avantgardeband Die Hartmann 8, mit Der Rote Bereich, Tiefe töne für Augen und Ohren, Carlos Bicas Azul sowie Die Enttäuschung (u.a. mit Axel Dörner und Jan Roder). Er war an mehreren Projekten und CDs mit Aki Takase beteiligt (u.a. über Eric Dolphy) und hat an Alexander von Schlippenbachs Gesamteinspielung von Thelonious Monk und dem Globe Unity Orchestra mitgewirkt.

 

 

Paul Engelmann

Paul Engelmann wurde 1986 in Altdöbern (Niederlausitz) geboren und machte 2006 sein Abitur am Berliner Bach-Gymnasium, wo er eine umfassende musikalische Ausbildung in den Fächern Saxophon, Klavier, Tonsatz und Ensemble-Orchesterspiel erhalten hatte. Er vertrat das Land Berlin dreimal beim Bundeswettbewerb "Jugend Jazzt". Seine wichtigsten Bands waren die "Jazzuiten" und die Bigband "JayJayBeCe". Von 2010 bis 2013 studierte er Jazz an der Musikhochschule Hannover. Seine Lehrer waren u.a. Matthias Schubert, Felix Wahnschaffe und Christof Griese. Die Combos "MonKtage" und "BUBU", sowie die Bigband "Fette Hupe" sind aktuelle Projekte Engelmanns.

 

 

 

Martin Schmidt

Martin "Schmiddi" Schmidt erhielt zwischen 1975 und 1985 eine klassische Ausbildung auf der Mandoline. Zweimal war er Bundespreisträger bei "Jugend musiziert". Seit 1981 spielte er zudem als Autodidakt E-Bass und beschäftigte sich mit zeitgenössischem Jazz, Neuer Musik und improvisierte Musik. Er arbeitete in zahlreichen Projekten mit Musikern aus den Bereichen Klezmerö und Rockmusik zusammen sowie für Theater-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen wie den "Gesellschaftsabend" von Hanns-Dieter Hüsch. Gemeinsam mit Christof Thewes gründete er 1991 das Duo Undertone, das seit 2002 mit Hartmut Oßwald und Dirk-Peter Kölsch zum Quartett erweitert wurde. Die Gruppe legte insgesamt fünf Alben vor, darunter 2006 eine Neubearbeitung von Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, und trat international in Clubs und auf Festivals auf.

 

 

Johannes Fink

Johannes "Finki" Fink stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Großvater war Organist und Chorleiter, sein Vater ist Jazzpianist. Bevor er im Alter von 24 Jahren autodidaktisch auf Kontrabass umstieg, lernte er seit seinem fünften Lebensjahr die Instrumente Klavier, Schlagzeug und Gitarre. Mit 27 Jahren studierte er für ca. zehn Wochen Kontrabass an der Musikhochschule Würzburg, wo er als Nebenfach Cello belegte Als er 1996 nach Berlin zog, wurde er Mitglied bei Aki Takase (& the good boys), Erdmann 3000 (mit Daniel Erdmann, Frank Möbus, John Schröder), Plastiline Black Sheep (mit Adam Pieronczyk, Maurice de Martin), Vierergruppe Gschlössl (mit Gerhard Gschlößl, Rudi Mahall, Christian Lillinger) und spielte weltweit für das Goethe-Institut mit seiner neu gegründeten Band "Günter Adler". Im Jahr 2015 gründete er zusammen mit Daniel Erdmann die Gruppe Super Royal (mit Eric Schaefer).

 

 

Florian Müller

Florian Müller hat Jazz-Gitarre an der Musikhochschule Nürnberg bei Helmut Kagerer und Paulo Morello studiert und lebt nun als freiberuflicher Musiker in Berlin. Zusätzlich hatte er Privatstunden unter anderem bei Pat Martino und Jack Wilkins. In zahlreichen Ensembles ist er als Komponist tätig und in ganz Deutschland unterwegs. Er ist dreimaliger Gewinner des Bruno-Rother-Stipendiums. Müller setzt die Tradition der fränkischen Jazzer fort, die Mitte der 90er Jahre nach Berlin kamen und dort die Szene aufmischten. Er war bereits im Mai 2019 beim "Tag der Inklusion" im Nachbarschaftshaus in der Urbanstraße zu Gast.

 

 

 

Ben Lehmann

Ben Lehmann wurde 1990 in Berlin geboren. Er begann im zarten Alter von fünf Jahren mit dem Geigenspiel, wandte sich dann jedoch von der klassischen Musik ab, um sich lieber mit E-Gitarre und E-Bass zu vergnügen. Inspiriert von der Berliner Jazz-Szene um so große Namen wie Rudi Mahall, Alexander von Schlippenbach, Jan Roder, Axel Dörner, Henrik Walsdorff und anderen entschloss er sich 2012 dann doch zu einem ernsthaften einem Musikstudium Jazz / Kontrabass in Saarbrücken bei Stefan Scheib. Seit 2015 ist er wieder zurück in seiner Heimatstadt Berlin und dort als freischaffender Musiker in verschiedenen Formationen tätig, widmet sich eigenen Projekten und auch der Komposition. Lehmann spielt unter anderem zusammen mit Paul Engelmann, Martial Frenzel, Christof Thewes, Jan Roder, Uli Jenneßen, Henrik Walsdorff, Hartmut Oswald und Johannes Schmitz.

 

 

Martial Frenzel

Martial Frenzel ist Diplom-Schlagzeuger und Musik-Pädagoge. Der gebürtige Saarbrücker ist eine der neuen Schlagzeugstimmen in Deutschland und spielt mit seiner Stammformation UHL Musik zwischen Jazz und Rock. Mit dem Posaunisten Christof Thewes verbinden ihn unzählige musikalische Projekte. Mit Thewes teilt Frenzel auch seinen überaus humorvollen Umgang mit vermeintlich schwer zugänglichem musikalischem Material. In seinem Soloprogramm "Microman" etwa trommelt er sich “wild, wüst und gefräßig” durch Klanglandschaften, ganz Vorbildern wie Tony Oxley, Ed Blackwell und Buddy Rich verpflichtet.

 

 

 

Anna Kaluza

Anna Kaluza stammt aus Freiburg i.Br. und studierte Saxophon in Köln bei Frank Gratkowski, in Wien bei Klaus Dickbauer und in London bei Jean Toussaint. Sie war Mitglied von Simon Rummels Fantasmofonika, die 2004 mit dem Jazz-Kunstpreis NRW ausgezeichnet wurde. Mit der deutschen Band Futür veröffentlichte sie 2007 das Album "Kein Schnee". Von 2008 bis 2009 lebte sie in London und wurde Mitglied des London Improvisers Ortchestra und der Gruppe Splatter. In Berlin gründete sie das Berliner Improvisers Orchestra und spielt regelmäßig mit internationalen Gastmusikern. Sie ist Leaderin des Kaluza Quartetts (mit Christof Thewes, Jan Roder und Kay Lübke), Mitglied des Hanam Quintetts (mit Alison Blunt, Niko Meinhold, Manuel Miethe und Horst Nonnenmacher) des Trios Baustelle Nr. 5, des Heisenberg Quintetts und der Big Band Rusira Mixtett. Mit Artur Majewski, Kuba Suchar und Rafal Mazur publizierte sie 2013 das Album "Tone Hunting"

 

 

Jan Roder

Jan Roder gilt als ei­ner der füh­ren­den Vertreter der jün­ge­ren Generation im­pro­vi­satorischer Musik und hat die freie Jazzszene der letz­ten Jahrzehnte maß­geb­li­ch ge­prägt. Roder studierte Musik in Hannover. Er begann seine Karriere als Rockmusiker und lebte längere Zeiten in Brasilien. 1995 kam er nach Berlin, wo er mit Musikern wie Ulrich Gumpert, Ernst-Ludwig Petrowsky, Manfred Schoof, Uschi Brüning, Joachim Kühn, Aki Takase, Gunter Hampel, Mircea Tiberian und Axel Dörner Tourneen und Konzerte spielte. Als Nachfolger von Joachim Dette bildet er mit Axel Dörner, Rudi Mahall und Uli Jenneßen die Band Die Enttäuschung, die neben eigenen Stücken gemeinsam mit Alexander von Schlippenbach das Gesamtwerk von Thelonious Monk im Repertoire hat. Mit Björn Lücker und Henrik Walsdorff bildet er die Gruppe The Most. Er spielt in der Gruppe JR 3 mit und ist Duopartner von Maria Raducanu.

 

 

Olaf Rupp

Olaf Rupp stammt aus Saarlouis und ist ein Gitarrist im Bereich der Neuen Improvisationsmusik. Er begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Gitarrenspiel ist als Musiker Autodidakt. An der Universität des Saarlandes studierte er von 1987 bis 1982 Sprachwissenschaften. Zu Beginn der 1990er Jahre spielte er vor allem improvisierte Popmusik in Duos mit Schlagzeuger Hanno Leichtmann (EmakBakia), später mit Stephan Mathieu (Stol). 1993 zog er nach Berlin, wo er auf Musiker wie Rudi Mahall, Paul Lovens, Johannes Bauer, Cecil Taylor, Harri Sjöström und Wolfgang Fuchs traf. 1998 entstand sein erstes Soloalbum "September". 2002 nahm er mit dem Bassisten Joe Qilliamson und dem Schlagzeuger Tony Buck das Album "Weird Weapons" auf. Seine Art, die Gitarre in einer aufrechten Position zu halten, ist von den chinesischen Pipa-Spielern inspiriert. Er integriert in sein Spiel Techniken wie Rasqueados, Tremolos und Arpeggios, um damit Oberton- und Cluster-Effekte zu erzielen.

 

 

Fotonachweis: Alexander Schaffer; Harald Krichel (CC BY-SA 4.0); Eric Pawlitzky; Manuel Miethe; Justus Nussbaum (CC BY-SA 3.0); Schorle (CC BY-SA 3.0)