Inklusiv unterwegs mit Kunst und Kultur!

Gemeinsam Kultur erleben   

Für viele Menschen ist es selbstverständlich, spontan ins Theater, in die Oper, ins Konzert oder ins Museum zu gehen. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist ein solcher Besuch dagegen oft mit aufwendiger Planung verbunden. Geeignete Veranstaltungen zu finden, Eintrittskarten zu bekommen, die Kosten zu tragen und den Besuch zu organisieren, ist häufig mit zusätzlichen Hürden verbunden. Der Wunsch nach kultureller Teilhabe stößt im Alltag noch immer auf erhebliche Barrieren. Denn echte Inklusion bedeutet mehr, als nur den Zugang zu einem Gebäude zu ermöglichen. Es geht darum, Kultur gemeinsam, selbstbestimmt und gleichberechtigt erleben zu können.

Genau hier setzt unser Projekt „Inklusiv unterwegs mit Kunst und Kultur!“ an. Wir bringen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung in Zweier-Tandems zusammen. Gemeinsam besuchen sie Opern, Theateraufführungen und andere anspruchsvolle Kulturveranstaltungen.

Unser Projekt versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Betreuung, sondern als Begegnung auf Augenhöhe. Die Tandempartner:innen teilen ein kulturelles Erlebnis, tauschen ihre Eindrücke aus und lernen voneinander. Das Projekt richtet sich in erster Linie an blinde und sehbehinderte Menschen, Menschen mit anderen Behinderungen sind jedoch ebenfalls herzlich willkommen. Sie können gemeinsam mit einer ehrenamtlichen Begleitperson ohne Behinderung teilnehmen.

Barrieren abbauen, kulturelle Teilhabe ermöglichen

Damit möglichst viele Menschen mit Behinderung teilnehmen können, bauen wir verschiedene Barrieren ab.

  • Finanzielle Barrieren: Wir übernehmen die Eintrittskosten für die Teilnehmer:innen und ihre ehrenamtlichen Begleitpersonen. So können auch Menschen mit geringem Einkommen hochwertige Kulturangebote besuchen. Finanziert wird das Projekt vor allem durch Spenden und Vereinsmittel.
  • Barrierefreiheit: Wir wählen gezielt Vorstellungen mit Live-Audiodeskription, Tastführungen, reservierten Rollstuhlplätzen oder geeigneten Hörunterstützungssystemen aus.
  • Organisatorische Unterstützung: Ehrenamtliche Begleitpersonen helfen bei Bedarf bei der An- und Abreise sowie bei der Orientierung vor Ort. Dadurch wird ein Kulturbesuch auch für Menschen möglich, die ihn allein nur schwer organisieren könnten.
  • Einführung in die Aufführung: Eine kurze Einführung vor der Vorstellung hilft dabei, auch komplexe Stücke und Inszenierungen besser zu verstehen.

Durch frühzeitige Planung und die Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen bemühen wir uns außerdem, geeignete Plätze und benötigte Eintrittskarten rechtzeitig zu sichern.

Doch unser Projekt bietet mehr als den Abbau von Hindernissen. Gespräche vor der Vorstellung, in der Pause und im Anschluss ermöglichen persönliche Kontakte, neue Perspektiven und gemeinsame Erlebnisse.

Teilhabe beginnt am Bildschirm

Kulturelle Teilhabe beginnt nicht erst im Theater oder Opernhaus. Wer sich online nicht selbstständig informieren und orientieren kann, stößt bereits bei der Auswahl einer Veranstaltung auf Hindernisse.

In Gesprächen mit blinden und sehbehinderten Menschen haben wir erfahren, dass viele zwar in der Schule oder in Einrichtungen am Computer gearbeitet haben, zu Hause aber schnell an Grenzen stoßen. Screenreader wie NVDA und JAWS bieten wichtige Unterstützung. Ihr sicherer Umgang erfordert jedoch Übung und praktische Erfahrung.

Deshalb haben wir den kostenlosen Workshop „Computer ‚blind‘ beherrschen!“ ins Leben gerufen. Wer möchte, bringt den eigenen Laptop mit; alle übrigen Materialien stellen wir bereit. Der Workshop richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen sowie an alle, die sie im Alltag unterstützen – sei es als Angehörige, Freund:innen, Betreuungskräfte oder ehrenamtlich Engagierte. Die blinden und sehbehinderten Teilnehmer:innen trainieren den sicheren Umgang mit Computer und Screenreader, um digitale Aufgaben selbstständiger bewältigen zu können. Begleitpersonen lernen, wie sie gezielt unterstützen können, ohne deren Selbstständigkeit einzuschränken.

So ist aus unserem Kulturprojekt ein weiteres Angebot entstanden, das digitale Teilhabe und Selbstständigkeit fördert.

Was wir bisher erreicht haben

Aus einer einzelnen Initiative ist ein regelmäßiges Angebot mit festen Abläufen und gewachsenen Kooperationen geworden. Gemeinsam mit Berliner Kultureinrichtungen und Partnern der inklusiven Kulturvermittlung organisieren wir Besuche an der Deutschen Oper, im Berliner Ensemble und an der Schaubühne. Zu unseren Partnern zählen der Berliner Spielplan Audiodeskription und das Theaterhaus Berlin. Wir suchen weiterhin Kooperationspartner:innen.

Auf dem Programm standen bekannte Werke wie „Carmen“, „Aida“, „Der fliegende Holländer“, „Was ihr wollt“, „Die Zauberflöte“, „Der Barbier von Sevilla“, „Die Dreigroschenoper“ und „Richard III.“ Bei der Auswahl der Veranstaltungen achten wir auf geeignete barrierefreie Angebote, insbesondere auf Audiodeskription und Tastführungen.

Insgesamt gab es bereits mehr als 120 Teilnahmen an knapp einem Dutzend Kulturveranstaltungen. Etwa die Hälfte der Teilnehmer:innen  waren Menschen mit Behinderung, darunter blinde und sehbehinderte Menschen. Die andere Hälfte bestand aus ihren ehrenamtlichen Begleitpersonen, mit denen sie die Veranstaltungen im Tandem besuchten.

Unsere Erfahrungen bestätigen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Barrierefreiheit ist eine grundlegende Voraussetzung für kulturelle Teilhabe. Doch ebenso wichtig sind die Begegnungen, die dadurch ermöglicht werden. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, tauschen ihre Eindrücke aus und lernen voneinander.

Was unser Projekt besonders macht

Wir öffnen Türen zu besonderen Kulturveranstaltungen

Mit unserem Projekt ermöglichen wir Menschen mit Behinderung den Zugang zu Kulturveranstaltungen, die für sie sonst oft schwer erreichbar sind. Gerade bei gefragten Aufführungen und renommierten Bühnen kommen mehrere Hürden zusammen: hohe Eintrittspreise, eine begrenzte Zahl geeigneter Plätze und Vorstellungen, die oft kurz nach Beginn des Vorverkaufs ausgebucht sind.

Genau hier setzen wir an. Durch frühzeitige Planung und die Reservierung geeigneter Ticketkontingente ermöglichen wir den Tandems den kostenfreien Besuch ausgewählter Kulturveranstaltungen.

Begegnung auf Augenhöhe

Bei unseren Kulturbesuchen begegnen sich Menschen nicht als „Unterstützte“ und „Helfende“, sondern als Kulturinteressierte, die gemeinsam etwas erleben. Sie tauschen ihre Eindrücke aus, entdecken neue Perspektiven und lernen voneinander.

Theater, Oper und andere Kunstformen regen zum Nachdenken an und bieten Gesprächsstoff. Gemeinsame Erlebnisse können das Gemeinschaftsgefühl stärken, neue Kontakte entstehen lassen und sozialer Isolation entgegenwirken.

Inklusion, die über den Kulturbesuch hinausgeht

Uns ist wichtig, dass sich alle willkommen fühlen und niemand außen vor bleibt. Menschen mit Behinderung bekommen bei uns nicht einfach nur Eintrittskarten. Sie nehmen gemeinsam mit anderen am kulturellen Leben teil, bringen ihre eigenen Eindrücke ein und gestalten das gemeinsame Erlebnis mit.

Dass wir auf die Erfahrungen und Wünsche unserer Teilnehmer:innen hören, zeigt auch unser kostenloser Computer-Workshop „Computer ‚blind‘ beherrschen!“. Er ist aus dem direkten Austausch mit ihnen entstanden.

Kooperationen und Unterstützung

Damit „Inklusiv unterwegs mit Kunst und Kultur!“ langfristig bestehen und noch mehr Menschen erreichen kann, möchten wir unser Netzwerk weiter ausbauen. Wir suchen weiter Kulturinstitutionen, Organisationen der Behindertenselbsthilfe, soziale Träger, Stiftungen, Unternehmen und andere engagierte Partner, die unsere Ziele teilen.

Kultureinrichtungen können uns durch geeignete Ticketkontingente, barrierefreie Vorstellungen und inklusive Vermittlungsangebote unterstützen.

Organisationen der Behindertenselbsthilfe und soziale Träger können helfen, Interessierte zu erreichen und ihre Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Projekts einzubringen.

Auch finanzielle Unterstützung für Eintritts- und Fahrtkosten sowie Sachleistungen helfen uns, unser Angebot zu sichern und auszubauen. Wir wünschen uns verlässliche Partnerschaften, die über einzelne Veranstaltungen hinausgehen.

Mitmachen und unterstützen

Als Teilnehmer:in:
Schreibt uns eine E-Mail, um in unseren Verteiler aufgenommen zu werden. So werdet ihr als Erste informiert, wenn die nächste Veranstaltung ansteht.

Als Kooperationspartner:in oder Unterstützer:in:
Auch wer uns unterstützen möchte, kann sich gerne bei uns melden.

Bank- und Kontaktdaten:

  • E-Mail: kontakt@mog61ev.de
  • Telefon: 0176 99743624
  • Spendenkonto: mog61 Miteinander ohne Grenzen e.V.
  • IBAN: DE33100100100067352102
  • Verwendungszweck: Inklusiv unterwegs

Eine Spendenbescheinigung stellen wir auf Wunsch gern aus. Wir freuen uns über jede Unterstützung und über Menschen, die unsere Projekte kennenlernen und mit uns zusammenarbeiten möchten.

.