Graue Kästen, bunt bemalt

Sie stehen unauffällig am Straßenrand herum, sind meistens grau und häufig mit Graffiti verunziert oder mit zerrissenen Plakaten beklebt. Manchmal knackt es geheimnisvoll in ihnen oder es läuft leise ein Lüfter. Es sind Verteilerkästen für Strom oder Telefonkabel, manchmal auch Ablagestellen für den Briefträger. Und sie sind hässlich!

Als der Verein mog61 e.V.  2011 gegründet wurde, hatten die neuen Mitglieder viele Ideen. Eine davon war: Kann man diese hässlichen Kästen nicht ein bisschen hübscher machen, bunter, lebendiger - und damit etwas zur Verbesserung des Wohnumfelds tun? Klarer Fall: Man kann! Das Projekt, das daraus entstand, nannte sich "Kästenbemalung" - oder etwas anspruchsvoller: "Künstlerische Aktion Kreuzberger Kids". Damit wurde der kleine, neu gegründete Verein damals über die Kiezgrenzen hinaus bekannt, um nicht zu sagen: berühmt.

Schüler und Schülerinnen der Reinhardswald-Grundschule, der Schülerladen Känguru und die 12. Klasse der Leibnizschule machten sich unter Anleitung der Künstler Andora und Rick Ellis mit Acrylfarben an mehr als 30 Verteilerkästen im Kiez zu schaffen, auch die Pop-Art-Künstlerin Tutu war dabei. In der Mittenwalder, Gneisenau-, Bergmann-, Riemann-, Blücher- und Schleiermacherstraße. Der Malerbetrieb Peter Dietze kümmerte sich zunächst um die Grundierung und dann um die Versiegelung der Arbeiten. Da marschiert stolz eine Giraffe zwischen Straße und Trottoir, ein Walfisch badet unter einem Regenbogen. Und natürlich ging es nicht nur darum, das eintönige Grau durch bunte Farbe zu ersetzen, sondern auch um Kontakt und Identität, um Kiez-Gefühl und die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen.

Noch heute sind die Kunstwerke zu bewundern - vom Mehringdamm bis zur Urbanstraße. Allerdings haben viele im Lauf der Zeit gelitten und sind inzwischen von neuen Graffiti und neuen Plakaten bedeckt. Für mog61 e.V. war die Aktion 2013 ein verheißungsvoller Anfang.

 

Malaktion 2.0

Es war tiefer Winter, die Malaktion, mit der mog61 bekannt wurde, war schon zehn Jahre her, da fand Kunstlehrer Eckart Müller am Kreuzberger Leibniz-Gymnasium: Könnten wir eigentlich doch mal wieder machen! Sein Kunst-Leistungskurs war voll mit dabei, also machten sich 16 Schüler*innen flugs daran, das Foyer der Schule und vier sterile Verteilerkästen zwischen Heim- und Fürbringerstraße erneut bunt zu schmücken. "Bilder und Bildung hängen zusammen", meinte Müller. Thema der Aktion: "Begegnungen in Zeiten des Klimawandels".

mog61 besorgte die Organisation, die Deutsche Post stellte freundlicherweise die Kästen zur Verfügung. Wegen Regen und Kälte waren Aila, Amelie, Anouk, Frida, Jasmin, Luna, Mika und Oscar oft mit klammen Fingern zu Gange, aber im Frühjahr wurde das Wetter besser und eines Tages war Vernissage. Dabei schaute nicht nur Johannes Nedo von der Post vorbei, sondern auch Tagesspiegel-Journalistin Corinna von Bodisco, die einen tollen Artikel schrieb. Wir danken ihnen und natürlich vor allem Eckart Müller und seinen jungen Künstler:innen!

Die große Bildergalerie

Bunte Stromkästen an der Mittenwalderstraße

Artikel im "Tagesspiegel" vom 14.09.2013.

Andora und die grauen Kästen / Die mog61 will mehr Farbe im Kiez

"Kiez und Kneipe", Mai 2012

Kreuzberger Schüler machen Kunst im Kiez

Artikel im "Tagesspiegel" vom 24.02.2023

Bildergalerie 2.0

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